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Tonträger
swiss clarinet music
Walter - Schoeck - Darbellay - Hefti

Bernhard Röthlisberger
Nils Kohler
Ernesto Molinari
Benjamin Engeli

© 2020 musiques suisses



NXMS7002

 

August WALTER (1821–1896)
Fantasy and Capriccio, Op. 13 (1857) *

David Philip HEFTI (b. 1975)
Canto for bass clarinet solo (2012) *

Othmar SCHOECK (1886–1957)
Andante for Clarinet and Piano in E flat major, WoO 35 (1916) *

David Philip HEFTI
(T)raum-Ze(n)it dialogue for 2 bass clarinets (2008)

Jean-Luc DARBELLAY (b. 1946)
Sentences (version for basset clarinet solo) (2009, rev. 2020) *

Othmar SCHOECK
Sonata for Bass Clarinet and Piano, Op. 41 (1927–28)

Jean-Luc DARBELLAY
Chant d’adieux for clarinet in A and basset horn (1998) *   

David Philip HEFTI
Counterpoints on ‘come, sweet death’ for clarinet trio (2000)

Total time: 67:32

* WORLD PREMIERE RECORDING


 

SCHWEIZER MUSIK FÜR KLARINETTE
Aus der Not geboren…
Das Jahr 2020 steht für eine Zäsur in der Musikwelt, wie sie bis dahin nicht vorstellbar war.
Von einem Moment zum andern blieb das Konzertleben stehen, Orchester sagten Proben
und Konzerte ab, Opernhäuser blieben geschlossen, nicht einmal mehr Kammerkonzerte
fanden statt. Nach Monaten der Orientierungs- und Ziellosigkeit zuhause wollten wir
dieser Corona-Krise etwas Nachhaltiges abgewinnen. So ist innerhalb weniger Wochen
dieses Album entstanden, welches ausschliesslich Schweizer Komponisten gewidmet
ist. Werke von August Walter, einem fast vergessenen Romantiker, und Othmar Schoeck
werden den Kompositionen von Jean-Luc Darbellay und David Philip Hefti für eine, zwei
oder drei Klarinetten gegenübergestellt, wobei nicht weniger als sechs verschiedene
Instrumente der Klarinettenfamilie zum Einsatz kommen.
August Walter (1821–1896)
Fantasie und Capriccio op. 13 für Klarinette und Klavier (1857)
August Walter stammte ursprünglich aus dem süddeutschen Raum und kam nach seinen
Studienjahren bei Bernhard Molique in Stuttgart und Simon Sechter in Wien 1846 nach
Basel, wo er ein halbes Jahrhundert als Musikdirektor und Pädagoge das kulturelle
Leben der Stadt prägte. Er war mit der bekannten Sopranistin Anna Walter-Strauss
verheiratet und wurde 1874 Basler Bürger. In Fantasie und Capriccio op. 13 (komponiert
1857, publiziert 1859 bei Breitkopf & Härtel) zeigt sich Walter als ein handwerklich
äusserst versierter Komponist, der die klanglichen Möglichkeiten der Klarinette von
verinnerlichter Melancholie bis zu grosser Dramatik geschickt einsetzt und im Capriccio
eine geradezu frühlingshafte Leichtigkeit findet.
Othmar Schoeck (1886–1957)
Andante Es-Dur WoO 35 für Klarinette und Klavier (1916)
Sonate op. 41 für Bassklarinette und Klavier (1927–28)
Othmar Schoecks Sonate op. 41 (1927–28) gilt als das Repertoire-Stück für Bassklarinette
schlechthin. Das Werk überrascht mit einer gelungenen Verbindung von Elementen des
Ragtime und einer in der deutschen Moderne wurzelnden Tonsprache. Werden die beiden
Sphären im ersten Satz synthetisiert, so akzentuiert die Fortsetzung den Kontrast: Der
zweite Satz, der wild und ungestüm daherkommt, bis er sich nach zwei rezitativischen
Passagen beruhigt, ist kontrapunktisch dicht gearbeitet, treibt die Tonalität an ihre
Grenzen und erinnert bisweilen an die Musik von Schoecks Lehrer Max Reger. Nahtlos
schliesst der dritte Satz an, der seine Nähe zu Ragtime und leichteren Genres offener
deklariert als der Kopfsatz.
Von einer ganz anderen Seite zeigt sich Schoeck im Andante Es-Dur für Klarinette und
Klavier (1916), dem erst 1972 publizierten zweiten Satz einer Fragment gebliebenen
Sonate. Fast impressionistisch muten die Hemiolen-Achtel im Klavier an, bevor die
Klarinette ihren Gesang aufnimmt, der sich langsam aus der Tiefe heraus öffnet und
aufblüht.
Jean-Luc Darbellay (geb. 1946)
Sentences für Bassettklarinette solo (2009, überarbeitet 2020)
Chant d’adieux für Klarinette in A und Bassetthorn (1998)
Jean-Luc Darbellay schrieb seine Sentences für Klarinette 2009 ursprünglich als
Pflichtstück für den Concours National d’Exécution Musicale de Riddes. Das Werk
besteht aus neun kurzen Stücken. Die hier eingespielte Version für Instrumente der
Klarinettenfamilie bis Tief C (Bassettklarinette, Bassetthorn oder Bassklarinette) entstand etwas später und bereichert das klangliche Spektrum in erstaunlicher Weise.
Die von Mozarts Klarinettisten Anton Stadler entwickelte, leider nur selten eingesetzte,
in dieser Aufnahme jedoch verwendete Bassettklarinette verbindet die gesanglichen
Qualitäten einer Klarinette in der Clarin-Lage mit der knackigen, trockenen Tiefe des
Bassetthorns. Beides kommt in Sentences wunderbar zum Tragen.
Chant d’adieux für Klarinette in A und Bassetthorn wurde auf der Wartburg bei Eisenach
an einem zauberhaften Sommerabend anlässlich eines Privatkonzertes im Jahr 1998
von Elsbeth und Jean-Luc Darbellay uraufgeführt. Das ruhige, frei atmende kurze Stück
entwickelt sich aus einem sehr leisen Unisono über die grosse Sekunde zu einem
pentatonischen Gesang, in welchem die beiden Instrumente verschmelzen.
David Philip Hefti (geb. 1975)
Canto für Bassklarinette solo (2012)
(T)raum-Ze(n)it Dialog für zwei Bassklarinetten (2008)
Counterpoints on «Come, sweet death» für Klarinettentrio (2000)
Canto für Bassklarinette solo wurde 2012 komponiert und ist dem Klarinettisten
Elmar Schmid gewidmet. In dieser einsätzigen Komposition lösen sich ständig drei
Grundtempi ab. Zwei davon stehen im Drittelsverhältnis zueinander (presto=132 /
lento=44), wobei der Fokus auf den getragenen, kantablen Passagen liegt. Das dritte
Tempo ergibt sich durch die Fähigkeiten und den Körperbau des Interpreten, da die
entsprechenden Phrasen auf einen einzigen Atem gespielt werden müssen. Durch
den starken Einbezug von Multiphonics entstehen Anklänge an die mittelalterliche
Mehrstimmigkeit. Das Tonmaterial wurde aus dem Namen des Widmungsträgers
abgeleitet.
(T)raum-Ze(n)it, Dialog für zwei Bassklarinetten, entstand 2008 und ist Petra
Stump und Heinz-Peter Linshalm gewidmet. Raum und Zeit gehören wohl zu den meistdiskutierten Begriffen überhaupt. Immanuel Kant legt in seiner transzendentalen
Ästhetik dar, dass Raum und Zeit Voraussetzungen der sinnlichen Vorstellung
sind. In der Relativitätstheorie bedeutet Raum-Zeit die Zusammenfassung der drei
Raumdimensionen mit der Zeit als vierter Koordinate zu einem vierdimensionalen
Raum. Und ähnlich wie sich aus dem initialen Unisono des Stückes über
Klangfarbenwechsel und Mikrointervalle erst allmählich Strukturen entwickeln, die
als Zweistimmigkeit wahrnehmbar sind, so verschwimmen im Traum Zeit und Raum
zu vieldeutigen, häufig irrealen Bildern...
Die Counterpoints on «Come, sweet death» (2000) schrieb Hefti im Auftrag des
Ensemble Clarino und widmete sie dem Klarinettisten Valentin Wandeler. Die
fünf Kontrapunkte über den Choral Komm, süsser Tod von J.S. Bach könnten
unterschiedlicher nicht sein und werden von seriellen Kompositionstechniken,
Aleatorik, symmetrischen Skalen, barocken Ornamenten, Romantisierungen und
zeitgenössischen Spieltechniken geprägt. Die Komposition ist spiegelsymmetrisch
aufgebaut, was bedeutet, dass sie nach der Mitte rückwärts läuft (Krebsgang).
Bernhard Röthlisberger, Jean-Luc Darbellay, David Philip Hefti

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