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Tonträger

Françaix, Penderecki, Martinu
Bernhard Röthlisberger, Klarinette
The Serenade String Trio


Françaix, Penderecki, Martinu: Bernhard Röthlisberger, Klarinette; The Serenade String Trio
Gallo CD-1020

1-4 Jean Françaix:
Quintette pour clarinette et quatuor à cordes*
Quintet for clarinet and string quartet*
*Jana Karskova, Violin
24'31''
5-8 Krzysztof Penderecki:
Quatuor pour clarinette et trio à cordes
Quartet for clarinet and string trio
16'30''
9-12 Bohuslav Martinu:
Sérénade pour violon, alto, violoncelle et deux clarinettes *
Serenade for violin, viola, cello and two clarinets *

*Dimitri Ashkenazy, Clarinet
22'13''

Die Werke für Klarinette und Streicher nehmen im Bereich der Kammermusik seit dem Ende des 18. Jahrhunderts eine besondere Stellung ein. Mozart schuf mit seinem Quintett in A-Dur KV 581 ein Werk, das neue Massstäbe setzte. Das nach dem Klarinettisten Anton Stadler benannte "Stadler-Quintett" zeugt von Mozarts intimer Kenntnis der Klarinette und deren klanglichen Möglichkeiten. Es dauerte ein knappes Jahrhundert, bis die Quintette von Johannes Brahms und Max Reger erneut die Vollkommenheit des Mozart'schen Oeuvres erreichten und vielleicht noch übertrafen. Fasziniert durch diese Monumente der Kammermusik haben sich zahlreiche Komponisten des 20. Jahrhunderts ebenfalls mit dieser Besetzung auseinandergesetzt. Drei Werke ganz unterschiedlicher Natur stellen wir mit der vorliegenden Einspielung vor.

Jean Françaix (1912-1997) war der Sohn des Direktors des Konservatoriums von Le Mans. Nach der ersten musikalischen Ausbildung im Elternhaus beendete er seine Studien am Conservatoire de Paris, wo er 1932 den Premier Prix de Virtuosité im Fach Klavier errang und bei Nadia Boulanger Komposition studierte. Die meisten seiner Werke vereinen französischen Charme und Esprit mit einer Prise Witz und Ironie. Daher auch die grosse Affinität zu den Blasinstrumenten, die durch ihre direkte Tongebung häufig zur Pointierung seiner musikalischen Sprache eingesetzt werden.

In seinem Quintett (1977) kommt es nach einer ruhigen Einleitung beim Eintritt des Hauptsatzes zu einem abrupten Stimmungsumschwung. Das an die groteske Musik eines Zeichentrickfilms gemahnende Hauptmotiv lässt kaum den akribisch gearbeiteten Sonatensatz erahnen. Im folgenden Scherzando wird der durchgehende Dreiachtel-Takt durch den geradezu exzessiven Gebrauch von Hemiolen und Synkopen bis zur rhythmischen Unkenntlichkeit verfälscht. Der dritte Satz ist ein Dialog zwischen einer getragenen Melodie der Klarinette und feingliedrigen triolischen und verzierten Einwürfen der Violine, bis es schliesslich zum eigentlichen Gedankenaustausch kommt. Im Finale wird ein eintaktiges rhythmisches Motiv wie ein Chaconne-Thema durchgeführt. Die auf den mit "amoroso" überschriebenen Mittelteil folgende Reprise ist einerseits verkürzt, andererseits durch eine Solokadenz der Klarinette erweitert, bevor das Werk in einem kurzen Epilog verklingt.

Krzysztof Penderecki wurde 1933 in Polen geboren. Kurz nach Abschluss seiner Studien am Konservatorium in Krakau erhielt er an einem Kompositions-Wettbewerb für seine drei eingereichten Werke gleich drei erste Preise, was ihn als 26-jährigen über Nacht zu einem der führenden Vertreter der europäischen Avantgarde werden liess. Mit seinen Werken setzte er sich über alle traditionellen Vorstellungen von Melodik und Harmonie hinweg und liess sich auch von der seinerzeit stark verbreiteten Seriellen Musik nicht im Geringsten beeinflussen. Stattdessen entwickelte er eine unmittelbar zugängliche expressive Musiksprache, in der er auch die Auseinandersetzung mit grossen historischen und religiösen Themen nicht scheute. Sein Erfolg setzte sich auch fort, als Penderecki Mitte der siebziger Jahre begann, sich in melodischer und harmonischer Hinsicht neu zu orientieren und die Strenge seines bisherigen Stils aufzugeben.

Eine seiner bedeutendsten Kompositionen neueren Datums ist nach eigener Einschätzung das 1993 entstandene Klarinettenquartett, zu welchem er sich von Schuberts spätem, weltentrücktem Streichquintett von 1828 inspirieren liess. In diesem Werk hat Penderecki der Klarinette musikalische Aussagen anvertraut, die in ihrer verinnerlichten und kontemplativen Grundhaltung von keinem anderen Blasinstrument verwirklicht werden können, namentlich in den beiden Ecksätzen. Dazwischen stehen ein fulminantes Scherzo und direkt anschliessend eine "Serenade" (Tempo die Valse), welche ganz der Ästhetik der Wiener Schule verpflichtet ist.

Bohuslav Martinu (1890 -1959) verliess 1923 seine tschechische Heimat und siedelte nach Paris über, zur damaligen Zeit das eigentliche kulturelle Zentrum Europas. Geprägt durch seine Lehrer Josef Suk und Albert Roussel fühlte auch Martinu sich zunächst dem Neoklassizismus verpflichtet. 1941 musste er vor dem Anrücken der deutschen Truppen fliehen und gelangte über Barcelona, Madrid und Lissabon nach New York, wo er die folgenden Jahre im Exil verbrachte. Nach den grossen Erfolgen seiner 5. Sinfonie und dem Doppelkonzert 1947 in Prag erhoffte sich Martinu eine baldige Rückkehr in seine Heimat. Doch war ihm das bis ans Ende seines Lebens nicht vergönnt. In den folgenden Jahren fiel Martinu in eine schöpferische Krise. Er suchte sich in kleinen und ungewöhnlichen Formen auszudrücken und besann sich zunehmend auf seine tschechischen Wurzeln.

Die 1951 entstandene Serenade wiederspiegelt genau diese Periode seines Schaffens. Die ungewöhnliche Besetzung von Streichtrio und zwei Klarinetten greift direkt auf die böhmische Volksmusik zurück, in der die Klarinetten oft paarweise auftreten. Typisch für die Zeit nach dem Krieg ist der geheimnisvolle Beginn des ersten Satzes oder der düstere Anfang des Scherzos, die stark zu der sonst so folkloristisch und beschwingt daherkommenden Musik kontrastieren.

CD Rezensionen

Es hätte gar nicht der abgedruckten enthusiastischen Kritik Yehudi Menuhins über das Ensemble bedurft: Auch so überzeugen die Schweizer Musiker mit ihrem bestens aufeinander abgestimmten, homogenen Spiel. Hervorragende Gastmusiker, allen voran der Klarinettist Bernhard Röthlisberger, ergänzen die Gruppe. Jean Françaix' unterhaltsames, augenzwinkerndes Quintett aus dem Jahr 1977 gelingt ebenso virtuos wie musikalisch schlüssig. Höhepunkt der Einspielung ist für mich Pendereckis 1993 komponiertes Quartett für Klarinette und Streichtrio. Ein beeindruckendes, düsteres Stück, das in der flexiblen Klanglichkeit der Klarinette ein ideales Medium findet... Eine hörenswerte CD auf hohem künstlerischem Niveau.
aus: Fono Forum, Oktober 2001

 

It's rather strange to run into two consecutive Françaix Clarinet Quintets in a row, but I now find myself in the curious position of having to redefine my previous view of the work. For that diatribe, see my review of an ASV disc in the last issue. To sum up: I was expressing my dislike of Françaix's iconoclastic view of the medium, usually presented with such seriousness and even sublimity, seen through his rather bratty eyes as a means of parody. Or at least that is what I have always thought about the work until this recording dropped in my lap. What a difference small details can make! It's not that these forces play that much better than the ASV group, but their attitude is so radically different as to re-color the whole piece. Oh, you can never completely avoid this composer's jocularity (the closest thing to a practical joker that music has ever seen, in my opinion), but this time around I was noticing things I had not heard before, like how profound Françaix's uttering is in the guise of parody. It's really quite ingenious - he makes fun of a form in his usual, familiar way, but behind that facade he is actually as serious as Brahms was in his own way. In this manner he makes tribute to the form while retending to satirize it. Why I should receive these revelations while pondering this particular recording is still somewhat of a mystery to me. It must lie in that vast, intangible art that we call interpretation. A change of emphasis here, a lilt there, a sudden quiet at a key moment—these are the things that can and do influence the psychology of listening, the many variances and vagaries of human emotions. What a wondrous art this is, and how lucky most of us are to have discovered it. But as I continued listening to this illuminating disc, I began to connect the interpretative dots as the players on this disc showed remarkable consistency in approach among these three pieces. The Clarinet Quartet of Penderecki is one of the most astonishing pieces I have heard in years. It sports his later “romantic” style, but has a feeling and tragic fatalism that you would find in a piece like the Shostakovich eighth quartet. I was riveted over and over, each time feeling that the work had ended far too soon. This piece has real staying power, and should find its place into the clarinet repertory. When I was in college, compositions like the St Luke Passion were all the rage, and we were being forced by goose-stepping academics to imitate this sort of writing. Years later, I am still overwhelmed by the spiritual power of that work, though at the time I felt there was a little of the charlatan in Penderecki, and I wondered if he was even capable of writing music that had any sort of tonal appeal. Time has proven this so, though there remain many from those days whose names are now as dust, and who couldn't conjure up a C-major chord if their lives depended on it. The Martinu is a fantastic, rhapsodical work that is constantly in motion, undulating, floating, and saturating your ears with supreme beauty. It was a stroke of genius to write a work that calls for two clarinets and string trio (evidently quite typical in Bohemian folk music), and the color combinations are kaleidoscopic in their pristine, natural timbers. I have always found Martinu to be a supreme, life-affirming composer (at least in his music, perhaps not always in his life—I will trust the music for the truth of the matter), and this piece, spanking new to me, is a real find. He flirts with impressionism, but it is not the same kind as the Debussyian school, more flowing and restless, rarely pondering, and anxious for the next moment to begin. Its four movements flow seamlessly from one to the other, and even with the strong contrasts in material, there is a rightness about the interrelationships. A super-stunning work. The clarinetists are fabulous, tonally brilliant and technically without peer. The Serenade String Trio plays with a consummate understanding of these works, and as mentioned above, they seem to have found the interpretative keys to all of them—and it is the same key! Truly the finest chamber music I have heard in months, and I will wager one of the best chamber discs to have been released in the last two years. Bravo! RITTER
aus: American Record Guide, Mai 2001

 

...Jean Françaix (1912-1997), Krzysztof Penderecki (1933) und Bohuslav Martinu (1890-1959). Es sind wenig bekannte Werke, die dennoch typisch für diese Komponisten sind. Ablesen kann man die besonderen in extreme Zonen führenden Eigenheiten namentlich an der Klarinette: Einmal schlägt sie Purzelbäume in virtuos-verrückten Intervallen (Françaix' Quintett für Klarinette und Streichquartett), dann zieht sie sich ganz in eine kontemplative Haltung zurück (Pendereckis Quatuor für Klarinette und Streichtrio) oder gibt sich musikantisch-sprudelnd (Martinus Serenade für zwei Klarinetten und Streichtrio). Mühelos schlüpft Bernhard Röthlisberger, Mitglied des Luzerner Sinfonieorchesters, jeweils in den andern Stil, bei Martinu in den doppelpaarigen Läufen vorzüglich assistiert von Dimitri Ashkenazy. Und sein Kollege Igor Karsko, erster koordinierter Konzertmeister des Luzerner Sinfonieorchesters, führt das Streichtrio (bei Françaix von Jana Karskova zum Quartett ergänzt) mit schlanker, präziser und agiler Tongebung überlegen an. Eine CD, die eine echte Repertoirelücke füllt und dem hohen Niveau dieser kammermusikalischen Kleinode vollauf gerecht wird.
aus: Neue Luzerner Zeitung, 9. Dezember 2000

 

 

 

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